In der Ruhe liegt die Kraft

Fachkommentar: Mag. Pharm. Adelheid Tazreiter

Lange hat er auf sich warten lassen und uns im März noch das Frieren gelehrt. Jetzt ist er da und tut nicht, worauf wir uns gefreut haben. Keine frohlockenden Lebensgeister und kein Elan für Sonnenglitzern und freudenstrahlende Natur. Stattdessen sind wir schlapp, kreislaufschwach und schlechter Laune. Der Frühling pusht nicht.

Etwa die Hälfte von uns muss sich solcherart erst in die warme Jahreszeit hineinkämpfen. Sie leidet an Frühjahrsmüdigkeit. Unser Organismus reduziert den Spiegel des im Winter vermehrt ausgeschüttetem „Schlafhormons“ Melatonin und kurbelt gleichzeitig – sonnenbedingt – die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin kräftig an. Gerade in den Monaten März und April (und manchmal auch noch Anfang Mai) ist der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht mitunter noch sehr groß. Auch die Wetterlagen ändern sich häufig, mal ist es kühl und regnerisch, dann wieder sonnig und frühlingshaft mild. Für unsere Blutgefäße bedeutet das ein Wechselspiel: Ist es warm, erweitern sich die Gefäße und der Blutdruck sinkt. Müdigkeit kann die Folge sein. Ist es wieder kälter, werden die Gefäße wieder enger gestellt. Dieses Auf und Ab belastet den Kreislauf. Vor allem ältere Menschen und Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen sind betroffen.

Bis unser schlapper Organismus wieder die Balance gefunden hat und den Turbo zünden kann, vergehen in der Regel 2 – 4 Wochen.

Im Falle von Frühjahrsmüdigkeit sollte man dem Ruf des Sofas nicht zu sehr nachgeben.
Je aktiver Sie sind und je mehr Sonnenlicht Sie „aufsaugen“, desto rascher spüren Sie wieder frischen Elan und Freude am Leben – alternierend mit Entspannungsphasen zur Regenation mündet das in einer raschen Revitalisierung des winterfaulen Körpers.

Leichte Kost mit vielen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen lädt die Stoffwechsel-Batterien wieder auf, damit Sie mit neuer Energie durchstarten können. Für Menschen, die sich aus Zeitmangel oder anderen Gründen nicht gesund ernähren können (oder wollen), empfehlen wir ApothekerInnen hochwertige Mikronährstoffprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Weitere Muntermacher für Frühjahrsmüde finden Sie im Apotheker-Tipp (Seite 33)

Sind schließlich alle winterlichen Relikte aus Körper, Geist und Seele beseitigt, kann’s richtig losgehen. Die meisten haben sehr viel vor: abnehmen, entschlacken, Bewegung machen, Muskeln aufbauen, Fett abbauen, Sport betreiben, Wandern gehen, Natur genießen, Sonnenbaden, Body-shapen, Schönheit pflegen.

Was gut gemeint ist, kann rasch zu viel werden

  • Purzelnde Kilos in kurzer Zeit führen oftmals zum Jojo-Effekt. Und ohne Ernährungsumstellung ist schnelles Abnehmen nicht nachhaltig, geschweige denn gesund.
  • Das UV-Licht der Sonne hat viele positive Effekte auf uns. Die Bildung der wirksamen Form von Vitamin D, die indirekte Regulation des umgestellten Nacht-Tag-Rhythmus‘, die Ausschüttung von Glückshormonen u.a.
    Zu bedenken ist jedoch, dass auch die frühjährliche Sonne genug „Kraft“ besitzt, Sonnenbrand und weitere negative Auswirkungen („Sonnenallergie“, Bindehautentzündungen am Auge, Hautkrebs u.a.) auszulösen. Entsprechender Lichtschutz sollte der noch nicht ans UV-Licht gewöhnten Haut und den Augen also unbedingt gegönnt werden.
  • „Eingerostete“ Muskeln, Sehnen und Bänder müssen an die neue Beanspruchung erst langsam gewöhnt werden. Regelmäßige Bewegung in sich steigerndem Ausmaß mit regenerierenden Ruhepausen zwischendurch setzt ausreichend Anreize zur Kräftigung des Bewegungsapparates – ohne Muskelkater, Überdehnungen oder Faserrissen. Ein individueller Trainingsplan vom Fitnesscoach – bei chronisch Kranken im besten Fall unter Aufsicht eines Arztes – gewährleistet körperliche Fitness ohne unerwünschte Nebenwirkungen.
  • Auch wenn wir im Banne der neuen Sonnenkraft und blühenden Natur einen Motivationsschub erleben und alles niederreißen möchten, laufen wir Gefahr, zu überpowern. Zu viel zu schnell zu wollen. Nicht nur unser Organismus muss sich an die frühjährlichen Bedingungen erst gewöhnen, auch unser Geist und unsere Seele brauchen Zeit in eine fröhliche Aufbruchsstimmung hineinzuwachsen. Wer sich zwischen Tatendrang und neuer Euphorie die Zeit nimmt, ausreichend zu entspannen, kann den Schwung des Frühlings in ein anhaltendes Wohlbefinden für Körper und Gemüt verwandeln.
  • Gönnen Sie sich kleine Auszeiten im Alltagsstress, damit Sie zwischendurch “durchschnaufen“ und sich sammeln
    können.
  • Versuchen Sie an (unausweichliche) Herausforderungen selbstbewusst und mit Optimismusheranzugehen („ich schaffe das!“), dann wird ein negativer Di-Stress zum positiven Eu-Stress.
  • Ernähren Sie sich gesund und ausgeglichen und wappnen Sie sich eventuell mit speziellen Nährstoffmischungen gegen kräftezehrende Belastungen.
  • Suchen Sie Ausgleich in sportlicher Aktivität und Hobbies. Spaß ist ein wichtiges Lebenselixier.
  • Fahren Sie am Abend bewusst „Ihr System herunter“, indem Sie sich eine definierte Zeit – am besten vor dem Zubettgehen – für sich selbst nehmen und anstehende Probleme auf den Tagesplan für morgen setzen. Ein kleines Abendritual hilft Ihnen dabei. Das kann ein Vollbad mit beruhigenden ätherischen Ölen sein (Lavendel, Melisse u.a.) sowie eine genussvolle Schönheitspflege für Haut und Gesicht. Oder ein gutes Buch mit sanfter Musik. Manche profitieren von Entspannungsübungen und Yoga. Finden Sie heraus, was Sie persönlich am besten beruhigt.
  • Ihr Schlafzimmer sollte für Sie eine Ruhe-Oase sein, mit einem kuscheligen Bett und frischer kühler Luft. Wer Geist und Körper viel beansprucht, muss ihnen für die Regeneration eine ausgiebige Pause gönnen: Schlafen Sie regelmäßig ausreichend lange (7 – 8 Stunden)

Wer trotz Anwendung dieser Ratschläge nicht zur Ruhe kommt – sich tagsüber angespannt und unruhig fühlt und abends nicht in den Schlaf findet – für den gibt’s pflanzliche Unterstützung aus der Apotheke. Passionsblume, Melisse, Hopfen zur Beruhigung und Baldrian speziell zur Schlafförderung werden – oft kombiniert – in Form von Tabletten, Dragees oder Kapseln angeboten. Auch Tropfen oder Tees stehen zur Verfügung. Bei einigen schlaffördernden Präparaten werden zu den pflanzlichen Extrakten noch Melatonin („Schlafhormon“) oder L-Tryptophan beigemischt. Auch eine Auswahl von homöopathischen Mitteln und ätherischen Ölen wie Lavendel, Melisse, Ylang Ylang, Sandelholz u.a. wirken beruhigend (-> Badezusatz, Vernebler, aufs Taschentuch)

Bei länger andauernden Schlaf-störungen oder Beschwerden, die durch den Schlafmangel ausgelöst werden, sollten Sie nicht zögern, Ihren Arzt aufzusuchen!